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Zusammenleben wie in einer Großfamilie

Neue DRK Wohngruppe für Menschen mit Demenz eröffnet bald

Im Sinnesgarten: Violetta Jaskulski (v. l.), Caprice Schulz und Britta Bergmann, Fachbereichsleiterin Pflege beim DRK, freuen sich, dass die neue Demenz-WG bald eröffnet wird.

Es kann damit beginnen, dass die Ehefrau nicht mehr weiß, wie man Kaffee kocht. Oder Opa sperrt sich nachts in seinem Schlafzimmer ein, weil er Angst hat, dass fremde Menschen im Haus sind. Demenz zeigt sich in vielen Facetten und stellt Betroffene, aber auch Angehörige vor ein Problem: Was tun, wenn der Partner, die Eltern oder Großeltern nicht mehr allein leben können? 

Hilfe bietet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit einer Wohngruppe (WG) für Menschen mit Demenz und anderen gerontopsychiatrischen Erkrankungen an der Südlenger Straße. Dort finden zurzeit noch die letzten Arbeiten statt, bevor in wenigen Wochen die ersten Bewohner einziehen können. Bis zu acht Demenzkranke leben dann in dem rund 400 Quadratmeter großen barrierefreien Wohnbereich. Jeder verfügt über ein etwa 20 Quadratmeter großes Apartment mit eigenem Bad. Gemeinsam nutzen die Bewohner den Gemeinschaftsraum mit großer Wohnküche. „Das ist das Herzstück unserer Wohngruppe“, sagt Caprice Schulz. Die Pflegedienstleiterin übernimmt dort die Organisation der häuslichen Pflege.

Jeder Mieter möbliert sein Apartment selbst. Gerade für Demenzerkrankte sei es wichtig, dass sie von Dingen umgeben sind, die sie wiedererkennen können, erklärt Schulz. „Aber auch in den Gemeinschafträumen ist Platz für persönliche Gegenstände, an denen viele Erinnerungen hängen“. Das trage zum Wohlbefinden der Bewohner bei. Ein sogenannter „Sinnesgarten“ bietet Raum für Spaziergänge und kleine Gartenarbeiten.

Das Zusammenleben in der WG gestaltet sich wie in einer Großfamilie. Die große Wohnküche lädt zum gemütlichen Beisammensein oder zu gemeinsamen Aktivitäten ein. „Im Alltag fördern wir so weit wie möglich die Selbständigkeit der Bewohner, um ihre Kompetenzen zu erhalten“, sagt Schulz. Dabei sei es wichtig, feste Strukturen in den Tag zu bringen: Mahlzeiten, wiederkehrende Rituale oder gemeinsame Hausarbeit. „Tätigkeiten, die Erinnerungschance bieten wie Gemüse schnippeln oder Tisch decken. Wir ermuntern die Bewohner dazu, sich aktiv einzubringen“. Dabei entscheiden sie frei über den Ablauf ihres Alltags, beispielsweise wann sie aufstehen oder frühstücken möchten. Für alles, was sie nicht allein bewältigen können, gibt es Hilfe durch erfahrene Betreuungs- und Pflegekräfte des DRK. 

Mit gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Singen oder Spielerunden will das DRK das tägliche Miteinander fördern. Oberstes Prinzip dabei ist: „Jeder kann und darf, aber keiner muss.“ Die Erfahrung zeige: Die Gemeinschaft tut gut und hält insgesamt länger fit. Angehörige sind gern gesehene Besucher in der WG. „Da wir die Pflege- und Betreuungsaufgaben übernehmen, haben Familienmitglieder mehr Zeit für persönliche Zuwendung und gemeinsame Aktivitäten“, weiß Schulz. 

Viele Angehörige bewege die Frage, wann der richtige Zeitpunkt für die Übersiedlung ihrer Angehörigen in die WG sei. "Die Menschen, die zu uns kommen, brauchen eine 24-Stunden-Betreuung", sagt Violetta Jaskulski, stellvertretende Pflegedienstleiterin. Durch die Demenz gehen nach und nach Alltagskompetenzen verloren – wie den Fernseher einzuschalten oder einzukaufen. Zudem litten viele Demenzkranke unter Ängsten. Deshalb seien eine vertraute Umgebung und verlässliche Ansprechpartner für sie so wichtig. Beides könne die Demenz-WG bieten. Dafür sucht das DRK noch Pflegefach- und Betreuungskräfte. „Mitarbeiter, die im Umgang mit Demenzkranken geschult sind“, betont Jaskulski.

Die Wohngruppe wurde mit Fördermitteln des Landes Nordrhein-Westfalen errichtet. Potentielle Mieter müssen daher einen Wohnberechtigungsschein vorweisen. Der nächste Tag der offenen Tür findet am Samstag, 30. März von 10 bis 12 Uhr statt. Weitere Informationen unter Telefon (05221) 2750120 oder E-Mail caprice.schulz@drk-sozial.de.

13. März 2019 14:24 Uhr. Alter: 96 Tage