„Kochen ist ein Stück Heimat“
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„Kochen ist ein Stück Heimat“

DRK-Projekt: Flüchtlinge kochen für Flüchtlinge im Rütli

Faheema Rasho Khalaf (2. v. l.) hat Kokosplätzchen namens „Kulica“ zubereitet. Hilfe gab es von Sozialdezernent Ingo Nürnberger (von links), Hatice Gümüs (Intitiatorin), Ilka Mähler (Geschäftsführerin DRK Soziale Dienste OWL) und Kerstin Beckmann-Schönwälder (Stadt Bielefeld).

In der großen, offenen Küche des Rütli herrscht reger Betrieb. In der Luft liegt der Duft von orientalischen Gewürzen und frisch gebackenem Naan-Brot. Faheema Rasho Khalaf (28), Dnia Ismail (46) und andere Köche sind damit beschäftigt, Schüsseln und Tabletts mit verschiedenen Reis-, Fleisch und Gemüsegerichten sowie Gebäck anzurichten. Die kulinarischen Köstlichkeiten haben die acht Frauen und fünf Männer aus dem Irak, Pakistan, Syrien, Indien und dem Iran mitgebracht. Alle sind aus ihren Heimatländern nach Deutschland gekommen, um hier zu leben, sieben von ihnen wohnen in der kommunalen Flüchtlingsunterkunft am Rütli. Sie kochen heute für die Bewohner des Rütli, Mitarbeiter, Ehrenamtliche und Verantwortliche aus Behörden, Wohlfahrtsverbänden sowie der Flüchtlings- und Integrationsarbeit.

„Gemeinsames Kochen, Essen und Genießen verbindet Menschen über alle Kulturen hinweg“, sagt Hatice Gümüs, Migrationsberaterin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Sie hatte die Idee zu der Veranstaltung, suchte nach Menschen, die gerne Gerichte aus ihren Heimatländern zubereiten möchten, sammelte Rezepte für einen eigens vom DRK aufgelegten Kalender, ließ sich Geschichten erzählen. „Für viele Flüchtlinge ist die Zubereitung traditioneller Speisen ein Stück Heimat“. Oft würden Gerichte zu bestimmten Anlässen oder Festen gekocht, einige Rezepte über Generationen in der Familie weitergegeben.

Faheema Rasho Khalaf etwa hat „Kulica“, Kokoskekse mit Walnüssen und Datteln, gebacken. Die Plätzchen werden anlässlich des Festes „Eht“ gebacken, zu dem die Kinder von Haus zu Haus ziehen und Leckereien sammeln, erzählt die Iranerin. Das Rezept für ihre mit Reis und Hackfleisch gefüllten Weinblätter hat Dnia Ismail von ihrer Mutter. „Als ich klein war, hat meine Mutter die für mich gemacht“, erinnert sie die Irakerin. Heute sei das Gericht bei ihr zu Hause Tradition. „Jetzt koche ich es für meine Kinder“.

Die Schürze umgebunden hat sich auch Sozialdezernent Ingo Nürnberger, wenngleich er sich eher als „guten Esser“ denn als „großen Koch“ bezeichnet. „Selbst wenn es manche nicht mehr hören wollen: Die zugewanderten Menschen können, wenn beide Seiten sich anstrengen, unsere Gesellschaft bereichern“. Natürlich sei das Zusammenleben nicht immer so einfach wie beim Kochen, aber vieles funktioniere auch im wahren Leben so gut wie hier in der Küche. „Man muss es nur sehen wollen.“

Damit es nicht bei einer einmaligen Veranstaltung bleibt, möchte Tatjana Trembatsch, Leiterin der Migrationsabteilung der DRK Soziale Dienste OWL, Kontakte zu heimischen Gastronomen knüpfen. „Geflüchtete bringen eine große kulinarische Vielfalt mit“. Vorstellbar seien daher Kochabende, bei denen Flüchtlinge als Gastköche gemeinsam mit den Köchen eines Restaurants in der Küche stehen, oder spezielle Kochkurse, die von Geflüchteten geleitet werden. „Es geht um eine positive Perspektive, um Begegnungen und darum, Berührungsängste abzubauen“. Von den Gästen im Rütli jedenfalls gab es für die Hobby-Köche nur positive Rückmeldungen. Interessenten können sich unter Telefon 0521 – 32 98 98 735 oder hatice.guemues[at]drk-sozial[dot]de melden.

 

Gefördert wurde die Veranstaltung mit Mitteln des Landesprogramms „Komm an NRW“ des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration.

 

 

6. Dezember 2018 09:25 Uhr. Alter: 342 Tage