Mit Demenz selbstbestimmt leben
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Mit Demenz selbstbestimmt leben

Im April 2015 hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in der Ballerstraße 5 Herfords erste Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz eröffnet. Mittlerweile sind sechs der zur Verfügung stehenden acht Plätze vergeben. Menschen, die aufgrund ihrer dementiellen Erkrankung nicht mehr alleine leben können, haben in dem modernen Neubau ein betreutes Zuhause gefunden.

 

Die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW und die Deutsche Fernsehlotterie hatten die Ausstattung der WG mit 35.000 Euro gefördert. „Das ist eine schöne Starthilfe für uns“, freut sich Michael Beimdiek, Geschäftsführer der DRK Soziale Dienste OWL, der zuvor erfolgreich den Fördermittelantrag gestellt hatte. Bei einem Besuch vor Ort machten sich jetzt Bürgermeister Tim Kähler und der Landtagsabgeordnete Christian Dahm vor Ort ein Bild davon, wohin die Fördergelder geflossen sind.

Dahm zeigte sich beeindruckt vom Leben dort. „Die Stiftungen  haben hier ein wegweisendes Projekt mit vorangebracht“, sagt der Landtagsabgeordnete. Das Thema Demenz werde die Gesellschaft  in den kommenden Jahren noch mehr herausfordern. „Es ist gut, dass hier in Herford Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Demenz in ihrem Lebensumfeld geschaffen wurden“, betont Tim Kähler.

In der Wohngruppe leben mittlerweile fünf Personen, vier Damen und ein Herr im Alter zwischen 74 und 86 Jahren. 13 Mitarbeiter, zumeist Teilzeitbeschäftigte, kümmern sich rund um die Uhr um sie. Auf Wunsch auch um die Bewohner der 16 Wohnungen der Wohnanlage, nicht zuletzt geeignet für Ehepartner der Wohngruppen-Mitglieder, die allesamt vermietet sind. In ihren mit eigenen Möbeln eingerichteten Apartments samt eigenem Bad finden die Bewohner persönliche Rückzugsorte.

Im Vordergrund des Lebensalltags stehen alltägliche hauswirtschaftliche Tätigkeiten. „Es ist uns wichtig, neben dem Beschäftigungsangebot feste Strukturen in den Tag zu bringen“, erzählt Pflegedienstleiterin Caprice Schulz aus dem Leben der „Großfamilie“. Dazu gehören nicht nur wiederkehrende Rituale wie die morgendliche Zeitungsrunde mit Gesprächen über aktuelle Themen, sondern auch Tischdecken, Staubwischen oder Handtücher zusammenlegen. „Wir ermuntern die Bewohner dazu, sich aktiv einzubringen“.

Die Wohngruppen-Mitglieder hören gerne Musik, basteln oder spielen Gesellschaftsspiele. Bei gutem Wetter unternehmen sie begleitete Spaziergänge in die nähere Umgebung oder nehmen ihre Mahlzeit im sogenannten Sinnesgarten ein. Dort regen duftende Kräuter, Lavendel und Rosmarin die Sinneswahrnehmungen der Demenzerkrankten an.  „Wir leben, kochen, spielen und lachen miteinander“, sagt Schulz. Dabei sei die WG für Bewohner wie Mitarbeiter zu einer zweiten Familie geworden. „Diese herzliche, besondere Atmosphäre spürt man, wenn man zu uns kommt“. Zur großen Freude der Angehörigen, die gern gesehene Besucher in der Wohngruppe sind.

Die Landesstiftung Wohlfahrtspflege finanziert sich aus Gewinnen nordrhein-westfälischer Spielbanken. Die Stiftung Deutsches Hilfswerk unterstützt mit erspielten Geldern der Deutschen Fernsehlotterie  soziale Projekte in ganz Deutschland. In Herford wurden sie für die Kücheneinrichtung und die Ausstattung des Gemeinschaftsraumes verwendet.

Interessenten können sich bei Caprice Schulz unter Telefon 05221 - 27 50 120  informieren.

 

Weitere Informationen

Caprice Schulz, Telefon 05221 – 27 50 120

Foto: Besuch in der WG: Violetta Jaskulski (hinten, v. l.), Caprice Schulz (beide DRK), Bürgermeister Tim Kähler, Landtagsabgeordneter Christian Dahm und DRK-Geschäftsführer Michael Beimdiek. Die Bewohnerinnen Helga Schamberger (vorne, v. l.), Helga Schäffer und Anneliese Vogt sitzen in der Wohnküche bei Zeitungslektüre und Kartoffelschälen.

 

28. Oktober 2015 13:42 Uhr. Alter: 2 Jahre