Wenn es keine Heilung mehr gibt
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Wenn es keine Heilung mehr gibt

DRK Palliativpflegedienst hilft in der letzten Lebensphase

Frau H. erfährt, dass ihre Krankheit nicht mehr zu heilen ist und sie bald sterben wird. Ihr größter Wunsch ist, bis zum Schluss zu Hause bei ihrer Familie bleiben zu können. Die Aufgabe, ihr und ihren Angehörigen die letzten Wochen und Tage so leicht wie möglich zu machen, hat das Palliativ Care Team des ambulanten Pflegedienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Heepen übernommen.

Seit Juli verfügt der Pflegedienst, der sich seit über 10 Jahren um die häusliche Pflege kranker und pflegebedürftiger Menschen im Bielefelder Osten kümmert, über so ein speziell ausgebildetes Team. Es handelt sich um 10 examinierte Pflegefachkräfte, die eine Zusatzausbildung absolviert haben. Diese dauert 160 Stunden und behandelt Krankheitsbilder ebenso wie ethische Fragen. Die Pfleger sind ausgebildet, etwa Infusionen oder künstliche Nahrung zu verabreichen oder Schmerztherapien durchzuführen. Vor allem aber unterstützen sie den Patienten darin, seine letzten Tage so zu verbringen, wie es ihm gut tut. „Bei uns gibt der Patient den Weg vor. Er ist nicht Gast wie im Krankenhaus oder Hospiz, sondern bei sich zu Hause, das gibt ihm das Gefühl von Autonomie“, sagt DRK Pflegedienstleiterin Kerstin Bergner.

Palliativ Care, also Palliativpflege, ist ein Gesamtkonzept, das körperliche, psychische, soziale und spirituelle Aspekte mit einschließt. „Es ist eine ganzheitliche Betreuung, die viel mit Würde und Respekt zu tun hat“, erläutert Martina Scheidt, Teamleiterin des DRK Palliativpflegedienstes. Ihre Mitarbeiter übernehmen diese Aufgabe in enger Kooperation mit dem Palliativnetz Bielefeld e.V., der Hospizarbeit im Evangelischen Johanneswerk, Ärzten und Krankenhäusern.

Das Thema Sterben und Tod sei immer noch nicht angekommen in der Gesellschaft, sagt Regina Geitner. „Viele wissen gar nicht, dass es Hilfen speziell für Schwerstkranke in der letzten Lebensphase gibt“,. Die Medizinerin ist Vorsitzende des Palliativnetz Bielefeld e.V.

Dabei habe man nicht nur die sterbenden Menschen selbst im Blick, sondern auch deren Angehörige und Trauernde. „Sie sind nicht nur emotional, sondern auch organisatorisch überfordert“, sagt die Fachärztin für Allgemein- und Palliativmedizin. Koordinatoren des Palliativnetzes begleiten daher Betroffene wie ein Lotse durch die Vielzahl von Hilfeangeboten. Dies kann im Einzelfall ganz praktische Hilfestellung bei der Pflege oder palliativmedizinischen Versorgung, spirituelle Begleitung, wirtschaftliche Beratung oder ehrenamtliche Betreuung durch Hospizmitarbeiter sein.

Im Evangelischen Johanneswerk koordiniert Corinna Eimkemeier die Einsätze der Ehrenamtlichen in der Hospizarbeit. Sie unterstützen und begleiten alle Beteiligten. Dabei entlasten sie Betroffene und ihre Angehörigen vor allem durch Gesprächsangebote. Sie helfen dabei, letzte Dinge zu regeln, Wünsche zu erfüllen und Abschied zu nehmen. „Man muss nicht immer nur helfen“, sagt sie. „Oft geht es darum, einfach nur da zu sein“.

Wer die Leistungen des DRK Palliativpflegedienstes in Anspruch nehmen möchte, kann sich an das Palliativnetzwerk Bielefeld unter Telefon 0151 – 23002019 oder direkt an den Pflegedienst unter Telefon 0521 – 32 93 404 wenden.

Foto: Sorgen dafür, dass schwerstkranke Menschen medizinisch bestens betreut ohne Schmerzen zu Hause sterben können: Alexandra Hartmann (von links, DRK Fachbereichsleiterin Pflege), Martina Scheidt (Teamleiterin DRK Palliativpflegedienst), Michael Beimdiek (DRK Geschäftsführer), Kerstin Bergner (DRK Pflegedienstleiterin), Regina Geitner (Vorsitzende Palliativnetz) und Corinna Eimkemeier (Koordinatorin Hospizarbeit im Evangelischen Johanneswerk).

7. September 2015 09:42 Uhr. Alter: 3 Jahre