Gemeinschaft, Nähe, Lebensfreude
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Gemeinschaft, Nähe, Lebensfreude

Demenzkranke tanzen in den Frühling

Gute Stimmung: Auf der Tanzfläche blüht die demenzkranke Helga Neumann (vorne, von links) mit Betreuerin Kristina Jäger richtig auf.

An diesem Nachmittag hat sich die Demenz Wohngruppe des Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Spenge in ein Tanzlokal verwandelt. In der Küche wurde ein großes Kuchen-Büffet aufgebaut. Im Wohnzimmer sind die Möbel an die Seite gerückt und einer großen Tanzfläche gewichen. An frühlingshaft geschmückten Tischen sitzen Bewohner, ihre Betreuer, einige Familienmitglieder und Gäste aus der benachbarten Demenz-WG in Herford. Einige plaudern entspannt, andere schauen scheinbar ins Leere.

Eine von ihnen ist Helga Neumann. Heute hat sie die feine pinke Bluse mit Einstecktuch angezogen, Schmuck angelegt und die Haare frisiert. Die gesellige 82-jährige legt großen Wert darauf, zu besonderen Anlässen chic gekleidet zu sein. Obwohl sie vieles vergessen hat - das Frühlingsfest konnte sie kaum erwarten. Denn eines weiß sie ganz genau: Auch wenn sie nicht mehr so sicher auf den Beinen ist, sie tanzt heute noch genauso gern wie in ihrer Jugend.

An der Tanzfläche stimmt Andreas Schweika auf seinem Keyboard die ersten Melodien an. Schlager, Evergreens, die sich tief in das Gedächtnis der Senioren eingegraben haben. „Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein“, „Tulpen aus Amsterdam“ oder „Waldeslust“: Ein paar Töne des Lieblingslieds, schon wird an den Tischen geschunkelt, im Takt gewippt und gesungen. Die ersten – überwiegend weiblichen – Bewohner werden von ihren Betreuerinnen auf die Tanzfläche geführt.

Sehnsüchtig schaut Anneliese Vogt ihnen hinterher und nippt an ihrer Cola.  Die 81-jährige Besucherin aus der Demenz-WG Herford hat ausgerechnet heute ihre Tanzschuhe vergessen, die sie schon früher immer beim Tanzen trug.

Mit ein bisschen gutem Zureden wagt sie ein paar vorsichtige Tanzschritte in Hausschuhen, sicher gehalten von ihrer Betreuerin Angie Fricke, und  strahlt übers ganze Gesicht. „Es braucht einen genauen Blick dafür, was trotz motorischer und geistiger Einschränkung machbar ist“, erklärt Pflegedienstleiterin Caprice Schulz. Manche machen nur zaghafte Schrittchen, andere wedeln mit den Armen. Und einige genießen es, sich in Grüppchen Hand in Hand zu wiegen.

Trotz aller Einschränkungen und Bürden: Die Stimmung ist ausgelassen, alle strahlen und haben Spaß. Es gehe um Gemeinschaft, Nähe, Lebensfreude. „Die Stücke geben älteren Menschen etwas Geborgenes, Vertrautes wieder“, sagt Schulz. Beim Frühlingsfest erlebt man eindrucksvoll: Musik erfasst Körper wie Geist und macht einfach glücklich. Angesprochen wird das emotionale, das musikalische Gedächtnis, das auch bei fortschreitender Demenz weitestgehend erhalten bleibt. „Manchmal merkt man richtig, wie es Klick macht“, sagt Schulz. „Dann kommen Bewegung und Sprache zurück – wo beides schon ganz verloren schien“.

Weitere Informationen

Caprice Schulz, Telefon 05221 – 27 50 120

22. April 2016 11:13 Uhr. Alter: 2 Jahre