Jeder schöne Moment ist ein Geschenk
Sie sind hier: Aktuelles / News » Jeder schöne Moment ist ein Geschenk

Jeder schöne Moment ist ein Geschenk

Clowns besuchen DRK Demenz Wohngruppen

Gefühle ansprechen: Schon nach wenigen Augenblicken hat Maggi einen Draht zu Georg Trolldenier.

„Trine“ und „Maggi“ tragen rote Nasen, auffälligen Kopfschmuck und bunte Kleider. Unverkennbar: Es handelt sich um zwei Clowns. Für das Publikum ist das alles andere als eindeutig. Die Bewohner der Wohngruppen des DRK (Deutsches Rotes Kreuz) leiden an Demenz.

Clowns, die in Kinderkliniken die kleinen Patienten besuchen, sind in Deutschland weit verbreitet. Dass sie auch Menschen mit einer Demenz helfen, ist eine „relativ frische Erfindung“ erklärt Dr. Trine Tropf, die im wirklichen Leben Pika Schauf heißt. Sie gehört zum Bielefelder Verein Dr. Clown, einer Gruppe von zwölf haupt- und nebenberuflichen Schauspielern und Theaterpädagogen mit einer Ausbildung zum Klinikclown. „Clown und Demenzkranke haben vieles gemeinsam, agieren auf der Gefühlsebene“. Ein Programm, bei dem sie vor der Gruppe etwas vorführen, haben die beiden Clowns nicht. „Wir holen die Menschen dort ab, wo sie sind“, sagt Situ Schymanski alias Maggi.

Heute sind sie zum ersten Mal zu Gast in den DRK Demenz-Wohngruppen in der Frachtstraße. Die Bewohner sitzen am großen Tisch in der Wohnküche bei einer Tasse Kaffee oder Tee. Maggi hat sich zu Georg Trolldenier hingehockt und seine Hand ergriffen. Eben noch hat der 80-Jährige scheinbar teilnahmslos in seinem Rollstuhl gesessen und aus dem Fenster gesehen. Jetzt schaut er Maggi aufmerksam an, die ihn anlächelt und leise mit ihm spricht. Einen kurzen Augenblick später hält ihm die Clownin ihre kleine, rosafarbene Gitarre hin. Trolldenier streicht mit seinen Fingern über die Saiten und strahlt. Momente, die Schymanski immer wieder bereichern: „Ich finde es toll, wenn Demenzerkrankte aus ihrer Starre rauskommen“.

Trine stimmt derweil auf ihrer Gitarre „Horch, was kommt von draußen rein“ an. Doris Boziak lacht über das ganze Gesicht und fängt an zu klatschen. Annie Guckuck stimmt sofort mit ein. „Doris und ich sind eine Band“, erzählt Trine. „Und Frau Guckuck singt wie ein Vogel, die ist die Sängerin in der Band“. Trine kramt bunte Rassel-Eier aus ihrer gelb-weiß karierten Schürze. „Ich hab ein Ei gefunden!“, ruft sie und lässt es über den Tisch sausen.

Unerwartet reaktionsschnell fängt die 94-jährige Annie das Ei auf. Doris hat genug von Volksliedern. Sie möchte lieber Rock’n Roll hören. Maggi kann helfen und kurze Zeit später erklingt „Get back“ von den Beatles. „Doris, ich habe noch nie gerockt“, lacht sie. Das ist der 61-Jährigen völlig egal, sie rasselt im Rhythmus und ist glücklich.

Das Besondere an den Begegnungen mit Demenzkranken beschreibt Schauf so: „Jeder kleine, schöne Moment ist ein Geschenk. Es geht um jede Sekunde Freude und Lebensqualität“. Herzluftballons aufpusten, Lieder singen und ganz ernst über irgendwelchen Quatsch erzählen heilen keine Demenz. Doch mit Spiel, Gesang und Musik bringen Clowns einen Farbtupfer in den Alltag von alten Menschen. Denn auch wenn das Gedächtnis nicht mehr funktioniert, die Emotionen sind da.

Weitere Informationen

Stefanie Messinger, Pflegedienstleiterin, Telefon 0521 – 32 98 98 87

Tanja Probst, Wohngruppenkoordinatorin, Telefon 05 21 -32 98 98 104

22. April 2016 11:27 Uhr. Alter: 2 Jahre