Klettern, springen, balancieren
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Klettern, springen, balancieren

Psychomotorik-Ausbildung für Pädagogen aus Kita und Grundschule

Birge Müller (rechts) schafft Erfahrungsräume, die viele Kinder in ihrem Alltag nicht mehr haben.

Vorsichtig setzt Tom einen Fuß auf einen der vielen Bierdeckel, die sein Klassenkamerad Nick (Namen geändert)  zuvor sorgfältig auf dem Fußboden verteilt hat. Kurz balanciert er seinen Körper aus, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Konzentriert beugt er sich vor, streckt den Arm aus und sammelt einen kleinen Massageball ein, der auf einem anderen Deckel liegt, bevor sein anderer Fuß das nächste Ziel findet. Ein paarmal wiederholt sich diese Szene, dann ist Tom am anderen Ende des Klassenraums angekommen. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, bevor er den Rückweg antritt und die Gegenstände für Nick wieder auf den Bierdeckeln ablegt.

Würde man die beiden neun- und zehnjährigen Grundschüler fragen, was sie dort tun, bekäme man eine erstaunliche Antwort. Denn Tom und Nick haben gerade ein Abenteuer erlebt: Bei einer Schatzsuche haben Sie einen Fluss überquert, sind dabei von Stein zu Stein gesprungen und haben unterwegs wertvolle Schätze gefunden. Unterstützt werden sie dabei von Birge Müller, Sonderpädagogin und Sportlehrerin an Grundschule Landsberger Straße. In der psychomotorischen Förderstunde lässt sie gemeinsam mit den beiden Jungen Fantasiewelten entstehen und verhilft ihnen so zu einem besseren Gleichgewichtssinn und gesteigertem Selbstbewusstsein.

Kennengelernt hat Müller die Methode beim Institut für psychomotorische Entwicklungsförderung (IPE) der Kinder-, Jugend- und Familiendienste in OWL GmbH des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Als eine von neun Teilnehmerinnen absolvierte sie jetzt eine Zusatzausbildung in Psychomotorik für pädagogische Fachkräfte in Kindergärten, Grundschulen oder Frühfördereinrichtungen.

Jetzt kann sie Auffälligkeiten in der motorischen, emotionalen und sozialen Entwicklung von Kindern diagnostizieren und eigenständig präventive Fördermaßnahmen durchführen. „Wenn Kinder unter Konzentrationsstörungen leiden, motorische Probleme haben, aggressiv, hyperaktiv oder ängstlich sind, ist häufig Bewegungsmangel die Ursache“, erklärt Müller. Trotzdem benötigten nicht alle Kinder, die verhaltensauffällig oder entwicklungsverzögert sind, therapeutische Unterstützung. „Mit frühzeitiger Förderung kann oftmals der Gang zum Therapeuten verhindert werden“, sagt Professor Dr. Udo Wohnhas-Baggerd, Leiter des IPE.

„Wir machen nicht die Probleme der Kinder zum Thema, sondern spielen mit ihnen“, beschreibt Müller den Ansatz. Dabei kämen sie oft recht schnell selbst zu dem Thema, das Probleme darstellt. „Wir motivieren die Kinder, schwierige Situationen selbst zu lösen, Neues auszuprobieren und sich dabei gut zu fühlen“. Die Mädchen und Jungen erfahren die Förderung dabei als eine  ganzheitliche,  an ihren  Stärken  und  Vorlieben  orientierte  Spiel- und Sportveranstaltung. „Klettern, springen, balancieren – Kinder erleben sich dabei als Verursacher von Effekten, die sie durch eigenes Können hervorrufen“, erklärt Wohnhas-Baggerd. „Sie werden nicht nur motorisch sicherer, sondern gehen auch mutiger, ausdauernder und mit höherer Frustrationstoleranz an neue Herausforderungen heran“.

Sollte eine Therapie dennoch notwendig sein, beraten die Kursteilnehmerinnen die Eltern der betroffenen Kinder und bahnen im Dialog mit ihnen die erforderlichen externen Therapien an. Unter bestimmten Voraussetzungen übernehmen das Sozial- oder Jugendamt die Kosten der Förderung.

Die nächste Qualifikation im Bereich Psychomotorik startet das DRK Institut für psychomotorische Entwicklungsförderung im September 2016 in Bielefeld. Anmeldung und Information unter Telefon 0521- 32989871 oder Email institut@drk-kijufa.de. Die Kursgebühr in Höhe von 720 Euro kann durch den Bildungsscheck oder die Bildungsprämie NRW bis zu 50% unterstützt werden.

Ansprechpartnerin

Andrea Grabowski, 05221 – 27 54 499

25. April 2016 13:58 Uhr. Alter: 3 Jahre