Ein Zuhause für Menschen mit Demenz
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Ein Zuhause für Menschen mit Demenz

In Eisbergen entstehen erste öffentlich geförderte Wohngruppen und Senioren-Appartments

Die Veränderung kommt langsam: Ein paar Versprecher mehr als sonst. Der vergessene Kochtopf auf dem Herd. Die Uhr liegt im Kühlschrank. Alles völlig harmlos - oder aber Beginn eines langsamen Leidens: Demenz. Fast 1,6 Millionen Demenzerkrankte leben derzeit in Deutschland. Wenn das Wohnen zu Hause für Betroffene zum Risiko wird, beginnt für viele Familien eine wahre Odyssee. Von der häuslichen Pflege bis hin zum Altenheim lauten die Varianten der Unterbringung. In Eisbergen gibt es demnächst eine neue Möglichkeit – in Form von zwei Wohngruppen (WG) für Demenzkranke.

Bisher steht der Rohbau des öffentlich geförderten Wohnprojektes am Eiserbach, dem Gelände um die Albert-Schweitzer Straße, in dem neben den WGs barrierefreie Wohnungen für Senioren entstehen. Generalmieter ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Das Gebäude soll Mitte Mai 2017 fertiggestellt sein und kann dann bezogen werden. Tanja Probst, Wohngruppenkoordinatorin beim DRK, ist froh, dass in Eisbergen bezahlbarer Wohnraum für Menschen mit Demenz geschaffen werde, der Bedarf sei groß: „Wir können die Menschen hier rund um die Uhr betreuen, ihnen ein Leben wie in einer Großfamilie bieten“. Dafür will das DRK gut 15 Vollzeitstellen schaffen, die sich etwa 20 bis 25 Personen teilen. „Mitarbeiter, die im Umgang mit Demenzkranken geschult sind“, betont Probst.

In den je 400 Quadratmeter großen Wohngruppen leben bis zu acht Bewohner zusammen. Die Appartements sind barrierefrei gestaltet, rund 20 Quadratmeter groß und verfügen über ein eigenes Bad. Eine große Wohnküche und der Gemeinschaftsraum laden zum gemütlichen Beisammensein oder zu gemeinsamen Aktivitäten ein.

„Wir wollen die Fähigkeiten erhalten und sogar wieder etwas zurückgewinnen“, erläutert Probst. Daher stehen alltägliche hauswirtschaftliche Tätigkeiten im Vordergrund des Lebensalltags. Pünktliche Mahlzeiten, wiederkehrende Rituale und gemeinsame Hausarbeit gehören dazu. „Tätigkeiten, die Erinnerungschancen bieten: Kartoffeln schälen oder Handtücher zusammenlegen. Wir ermuntern die Bewohner dazu, sich aktiv einzubringen“, sagt die Wohngruppenkoordinatorin. Ein Sinnesgarten, der direkt an die Wohngruppe anschließt, bietet Raum für Spaziergänge und kleine Gartenarbeiten. Duftende Kräuter regen dort Sinneswahrnehmungen wie Hören, Riechen oder Schmecken an und fördern das Wohlbefinden der Demenzerkrankten.

Viele Angehörige bewege die Frage, wann der richtige Zeitpunkt für die Übersiedlung ihrer Angehörigen in die WG sei. "Die Menschen, die zu uns kommen, brauchen eine 24-Stunden-Betreuung", weiß Probst. Durch die Demenz gehen nach und nach Alltagskompetenzen verloren – wie den Fernseher einschalten oder Kaffee kochen. Zudem litten viele Demenzkranke unter Ängsten. Deshalb seien eine vertraute Umgebung und verlässliche Ansprechpartner für sie so wichtig. Beides könne die Demenz-WG bieten. Information unter Telefon 05 21 – 32 98 98 104.

Weitere Informationen

Tanja Probst, Telefon 0521/ 329898104

Tanja.Probst@drk-sozial.de

14. Dezember 2016 09:00 Uhr. Alter: 1 Jahre