Flüchtlinge zeigen berührende Kunstwerke
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Flüchtlinge zeigen berührende Kunstwerke

Rettende Insel: Mehdi (Mitte) ist einer der Flüchtlinge, die in einem von Künstler Stefan Knust (links) und Hatice Gümüs betreuten Projekt Werke zum Thema „Flucht- und Verlusterfahrung“ gemalt haben.

Eine warme Südseesonne taucht Himmel und Ozean in ein azurblaues Licht. Inmitten des Meeres ist eine kleine Insel zu sehen. Am Ufer des goldgelben Strandes hat ein kleines Ruderboot angelegt. Im Schatten einer üppigen Palme sitzt ein Mann und gönnt sich eine Zigarette. Auf den ersten Blick weist die dargestellte Szene keinerlei Ähnlichkeit zu deutschen Landschaften auf. In der Bildwelt des Künstlers aber ist die rettende Insel zu einem Symbol für Deutschland geworden.

Das Bild ist Teil der Wanderausstellung „Komm an“, die das Deutsche Rote Kreuz Soziale Dienste OWL (DRK) erstmalig in der Universität Bielefeld zeigte. Zu sehen sind großformatige Werke von Flüchtlingen, Fotos und Texte. Sie erzählen Geschichten aus ihrem Leben, zeugen von Heimweh, Hoffnung und dem Wunsch nach Frieden.

Acht Männer haben sich an dem durch die Stadt Bielefeld geförderten DRK-Kunstprojekt unter der Leitung des Bielefelder Künstlers Stefan Knust beteiligt. Sie stammen aus Syrien, dem Iran und dem Irak und leben als zugewiesene Flüchtlinge in Bielefeld. Sie sind vor Krieg, Konflikten und Verfolgung geflohen, haben ihre Heimat verloren, Familien und Freunde zurücklassen müssen. Einen Monat lang malten sie in wöchentlichen Workshops in der Erstaufnahmeeinrichtung am Südring unter dem Thema „Flucht- und Verlusterfahrungen“.

Es sei nicht sein Anliegen gewesen, "dass Meisterwerke entstehen", betont Knust. Die Menschen sollten malen, was sie beschäftigt. Dadurch könnten Traumata bewältigt werden, sagt Hatice Gümüs, Projektinitiatorin beim DRK: „Das Malen war für die meisten die erste Gelegenheit, sich mit ihre Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen kreativ auseinanderzusetzen“. Knust sieht auch den künstlerischen Aspekt. Er ist begeistert von den Bildern, die in dem Workshop entstanden sind:  "Niemand hatte künstlerische Erfahrung, aber die klare Aussage der Bilder beeindruckt mich sehr." Bunt sind die ausgestellten Werke, manche kindlich. Menschen, Häuser, Flaggen, Motive aus der Heimat, aber auch aus Deutschland.

Mehdi hat das Bild von der rettenden Insel gemalt. Wie so viele andere Asylbewerber hat er die Erlebnisse einer unglaublichen Geschichte von Flucht, Vertreibung, Gewalt  und Trennung mit im Gepäck. Über den Grund seiner Flucht möchte 32-jährige Iraner nichts erzählen. Zu groß ist immer noch die Angst um die Familie in Teheran. Auf seinem Weg über das Meer kenterte das Boot, 15 Menschen starben. Er wurde von einem italienischen Schiff gerettet und nach Griechenland gebracht. Dort wurde er bestohlen, schlief vier Nächte im Wald, wie Mehdi berichtet. Nach einer 57-stündigen Zugfahrt nach Ungarn, die er unter dem Zug hing, konnte er 12 Stunden lang nicht hören, wurde dort zwei Tage von der Polizei festgehalten. Noch heute leidet Mehdi unter Alpträumen. Jetzt ist Deutschland für ihn zu seiner rettenden Insel, seinem Symbol für inneren Frieden geworden.

Neben ausdrucksstarken Bildern zeigt die Ausstellung großformatige Fotos von Carolin Stangenberg, die den Entstehungsprozess eindrucksvoll dokumentiert hat. Texte erläutern, wie die Künstler ihre Bildkomposition beschreiben. Wer Interesse daran hat, die Wanderausstellung des DRK zu präsentieren, kann sich unter Telefon 05 21 – 32 98 98 735 melden.

16. Dezember 2016 13:10 Uhr. Alter: 1 Jahre