Große Hilfe auf kleinem Raum
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Große Hilfe auf kleinem Raum

DRK eröffnet Kleiderkammer für Flüchtlinge in Erstaufnahmeeinrichtung am Südring / Kleiderspenden erbeten

Jürgen Beier (von links), Thorsten Böhling, Abdul Pöge und Hatice Gümüs, hoffen, dass sich die Regale in der neuen Kleiderkammer bald füllen.

Von außen sieht der Raum ein bisschen wie ein Aquarium aus. Halbhohe Fenster an drei Seiten erinnern an die bisherige Nutzung als Büro für die Sicherheitskräfte. In dem rund 12 Quadratmeter großen Raum ist es eng, Rohre und Elektroleitungen laufen über Putz. Ein Kleiderständer in der Ecke, Kleidungsstücke und Schuhe in offenen Regalen, auf oder unter Tischen. Alles fein säuberlich nach Damen-, Herren- und Kinderbekleidung sortiert, mit Zetteln in Deutsch, Türkisch, Kurdisch und Arabisch beschriftet. Vor der Tür eine improvisierte Umkleidekabine mit Spiegel. Nicht gerade luxuriös, für die in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) am Südring ankommenden Flüchtlinge aber eine große Hilfe.

Seit Mitte Mai hat die Kleiderkammer dort geöffnet. Seitdem die EAE 2011 ihren Betrieb wieder aufnahm, gab es immer wieder Initiativen, um vor Ort eine Kleiderkammer ins Leben zu rufen. Vor Beendigung der Erweiterungsarbeiten im August 2015 scheiterte die Umsetzung mangels Platz. Später, weil die Sozialarbeiter vor Ort dem Ansturm der Flüchtlinge kaum gewachsen waren. Als von Februar bis April die für bis zu 450 Personen gebaute EAE nur mit 70 bis 130 Geflüchteten belegt war, nutzte Hatice Gümüs, Flüchtlingsberaterin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK), die Gunst der Stunde.

Sie holte Jürgen Beier, Geschäftsführer der "Hotelbetriebsgesellschaft Südring“ als Betreiber der Unterkunft und Thorsten Böhling, Leiter der Zentralen Ausländerbehörde (ZAB), an einen Tisch. Die ließen sich nicht lange bitten: Beier stellte die Räumlichkeiten zur Verfügung, Böhling unterstützt die Kleiderkammer an zwei Tagen pro Woche mit zwei Bundesfreiwilligendienstleistenden der ZAB. An drei Tagen ist Abdul Pöge vom DRK vor Ort, sortiert, faltet, gibt Kleidungsstücke aus, dolmetscht. Seine Stelle wird im Rahmen des Projektes „Integrative Arbeit“ durch den Ausgleichsfonds des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gefördert. Er zeigt, wo er gerne noch Regale hätte, um mehr Kleidungsstücke unterbringen zu können. „Es wäre toll, wenn uns Handwerker beim Einbau von Regalen und einem Anstrich unterstützen“, sagt Gümüs. Die Sozialarbeiterin möchte auch den Bereich im Flur vor den Raum neu und freundlicher gestalten. „Vielleicht findet sich ja ein Maler oder Graffiti-Sprayer“, hofft sie.

Die Kleiderkammer sei von Beginn an sehr gut angenommen worden. „Die Kleidungsstücke sind kaum eingeräumt, dann sind sie auch schon wieder vergriffen“, erzählt Gümüs. Sie ist froh, dass seit Kurzem auch Hamza Allalcherif - selbst Flüchtling aus Albanien - ehrenamtlich mithilft. Besonders, weil seit Mai wieder mehr Geflüchtete in die EAE kommen und bis zu drei Wochen dort bleiben. Das DRK bittet daher dringend um Spenden von gut erhaltener, sauberer Kleidung und Schuhen. Besonders Männersachen in kleinen Größen (S und M) seien gefragt: Jeans, Pullover, Jacken, Unterwäsche und Sportsachen, aber auch Kinder- und Frauenbekleidung. Die Sozialarbeiter erfragen bei den Flüchtlingen, wer was benötigt. Diese kommen dann mit Kärtchen in die Kleiderkammer, suchen sich etwas aus und können dies kostenfrei mitnehmen. „Viele besitzen nur eine einzige Jeans, haben oft nur Flip-Flops an den Füßen“, weiß Gümüs.

 

Das DRK bittet ausdrücklich darum, Spenden nicht vor der EAE abzustellen. „Die meisten Spenden sind völlig in Ordnung und hilfreich. Manchmal aber sind die Sachen derart verdreckt und kaputt, dass man sie nur wegwerfen kann“, beschreibt Gümüs ihre Erfahrungen. Sie habe manchmal das Gefühl, die Leute wollten ihre Sachen einfach nur entsorgen, auch Müll sei schon abgegeben worden. „Solche Spenden machen den Helfern das Leben schwer“. Die Entsorgung der unbrauchbaren Spenden koste Geld und Zeit, die besser investiert werden könnte.

Kleiderspenden können jeden Freitag von 13 bis 17:30 in der EAE an der Gütersloher Straße 259 bei Abdul Pöge vom DRK abgegeben werden. Spender melden sich dazu bitte im Security-Büro am Eingang an. Informationen, auch für Handwerker, die bei der Umgestaltung mithelfen möchten, unter Telefon 05 21 - 32 98 98 735 oder hatice.guemues@drk-sozial.de.

4. Juli 2016 08:38 Uhr. Alter: 2 Jahre