Eine ungewöhnliche Freundschaft in der DRK Wohngruppe Sennestadt
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Eine ungewöhnliche Freundschaft in der DRK Wohngruppe Sennestadt

Mareite Brinkmann (Name geändert) und Nadine Salmann erfreuen sich an dem neuen Mitbewohner der WG (v.l.n.r.)

Mareite (Name geändert) wohnt seit einiger Zeit in der Wohngruppe (WG) des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Sie fühlt sich wohl hier mit den anderen sieben Bewohnern der WG. Seit kurzem hegt sie eine ungewöhnliche Freundschaft.

Mareite leidet an Demenz. Der Umzug in die WG in Sennestadt tat ihr gut. Vor kurzer Zeit ist auch PARO in die WG eingezogen. PARO ist eine Roboter-Robbe, sie ist einem Sattelrobbenbaby nachempfunden  und wird zu Therapiezwecken bei Menschen eingesetzt, die an einer Demenz leiden. PARO reagiert auf Berührungen, sie kann sich bewegen, die Augen öffnen, sie quietscht und schnurrt. Die Robbe bringt angenehme Emotionen mit sich und ruft keine möglichen negativen Vorerfahrungen mit Tieren wach.

Die Roboter-Robbe ist 57 cm lang, wiegt ca. 2,7 Kg und ist von einem flauschigen Fell umgeben. Sein Inneres steckt voller Technik. Eine Vielzahl an Sensoren ermöglichen es ihm, dass er sich bewegen kann, einen echten Tag- und Nachtrhythmus hat, Licht und Dunkelheit erkennen kann, Temperatur ermittelt, die Anzahl der Streicheleinheiten fühlen kann und erkennen kann aus welcher Richtung Geräusche kommen. Er versteht seinen Namen, Grüße und auch Lob, er erinnert sich an seinen sozialen Umgang, passt sich an und imitiert die reale Stimme einer Baby-Robbe.

„Bereits 2013 haben wir eine erste Roboter-Robbe für unsere Einrichtungen erworben“ sagt DRK Geschäftsführer Michael Beimdiek. Der Roboter hat im Umgang mit den demenziell erkrankten Menschen in unseren WGs überzeugt, so Beimdiek weiter. Seither wird PARO in den WGs des DRK eingesetzt. Er verweilt immer eine gewisse Zeit in einer WG und wird dann zu einer nächsten WG weitergegeben; nach einem rotierenden System.  

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass mit Hilfe von PARO Menschen mit demenziellen und neurologischen Erkrankungen in der Pflege und Betreuung unterstützt, aktiviert und beruhigt werden können“ sagt Tanja Probst, Wohngruppenkoordinatorin beim DRK. Auch zu zurückhaltenden und ängstlichen Personen kann PARO einen Zugang schaffen und sie sanft unterstützen. Die therapeutische Robbe vermittelt Sicherheit und Wohlbefinden, ruft angenehme Erinnerungen hervor und trägt zur Entspannung und Freude bei, so Probst weiter. PARO kann die Sinne anregen, Aufmerksamkeit bündeln, Nähe schaffen und so eine Brücke zu den Senioren bauen. Die Robbe ist ein fester Bestandteil bei der Pflege und Betreuung in den Einrichtungen des DRK.

In Sennestadt ist PARO erst seit kurzer Zeit. „Ich war zunächst sehr skeptisch und konnte mir den Einsatz einer Roboter-Robbe in unserer WG nicht vorstellen“ sagt Nadine Salmann Pflegedienstleitung beim DRK. „Unsere Bewohner reagieren jedoch sehr gut auf die Robbe, sodass ich gerne bereit bin weiter mit ihr zu arbeiten. Eine wesentliche Voraussetzung für den Einsatz ist jedoch die uneingeschränkte Akzeptanz durch die Senioren. Es ist mir wichtig zu betonen, dass die Robbe nicht anstelle von Beschäftigung, sondern zur Unterstützung eingesetzt wird, so Salmann weiter.

"Oh Gott, wie süß", sagt Mareite, als sie die Robbe PARO zum ersten Mal zu sehen bekommt. Sie ist völlig entzückt von PAROs weißem, kuscheligen Fell. Mit großen, dunklen Kulleraugen schaut sie Mareite an und wiegt den Kopf hin und her. Liebevoll nimmt Mareite sie in den Arm und singt. "Schlaf, Kindchen, schlaf"… Die Freundschaft zwischen Ihnen ist bereits besiegelt.

Weitere Informationen:

Nadine Salmann, Telefon 05205 – 87 900 30

4. August 2017 13:58 Uhr. Alter: 17 Tage