„Ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden“
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„Ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden“

DRK begrüßt 500. Freiwilligen seit Wegfall des Zivildienstes im Rotkreuzjahr

Eser Beytas (von links) ist der 500. Freiwillige und wird im Fahrdienst eingesetzt. DRK Ge-schäftsführer Sebastian Mzyk und Esther Lemke, Koordinatorin des Rotkreuzjahres begrüßen ihn.

Als 2011 der Zivildienst abgeschafft und der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ins Leben gerufen wurde, drückte Eser Beytas (23) noch die Schulbank. Jetzt wurde er beim Deutschen Roten Kreuz als 500. Freiwilligendienstleistender seit Wegfall des Zivildienstes begrüßt.

Zum Vergleich: Von 1978 bis 2011 absolvierten 587 „Zivis“ ihren Dienst beim DRK. Seitdem haben 344 junge Menschen einen BFD und weitere 156 ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim DRK absolviert. „Auf diese Entwicklung in nur sechs Jahren sind wir stolz“, sagt DRK Geschäftsführer Michael Beimdiek und ergänzt: „Aus unserem Alltag sind die hochmotivierten Teilnehmenden des Rotkreuzjahres nicht mehr wegzudenken“.

Fahrdienste für Menschen mit Behinderungen übernehmen, Kita-Kinder betreuen, Hilfebedürftige bei der Hausarbeit unterstützen, mit ihnen einkaufen gehen oder sie zum Arzt begleiten: Die Aufgaben, die junge Menschen im Rahmen eines BFD oder FSJ übernehmen, sind vielfältig – und wichtig. „Die Hilfe unserer Freiwilligendienstleitenden im Rotkreuzjahr bedeutet beispielsweise für viele alte und behinderte Menschen ein Mehr an menschlicher Nähe“, sagt DRK Geschäftsführer Sebastian Mzyk. „Ohne sie“, so befürchtet er, „müssten einige Leistungen auf ein Mindestmaß reduziert oder sogar gänzlich eingestellt werden“.

Gerade für den Fahrdienst für Menschen mit Behinderungen, den das DRK seit fast 40 Jahren im Auftrag der Stadt Bielefeld übernimmt, sei es immer schwieriger, Freiwilligendienstleistende zu finden. „Durch das Abitur nach 12 Jahren sind die Schulabgänger oft noch nicht volljährig“, sagt Mzyk. Um als Fahrer tätig zu sein, benötigt man aber einen Personenbeförderungsschein. Die Kosten dafür übernimmt das DRK, so Mzyk weiter.

Allerdings wird dafür der einjährige Besitz eines Führerscheins der Klasse B vorausgesetzt. Das begleitete Fahren (Führerschein ab 17) zählt in diesem Fall nicht, so dass Bewerber mindestens 19 Jahre alt sein sollten. Wer jünger ist, kann aber auch als Beifahrer eingesetzt werden.

Auch Eser Beytas ist derzeit als Beifahrer im Fahrdienst tätig. Für ihn ist es „einfach ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden“. Beytas will baldmöglich seinen Führerschein erwerben und hofft, während seiner Zeit beim DRK Erfahrungen zu sammeln, die ihm seinem Traumberuf Notfallsanitäter näher bringen. „Hier kann ich meine soziale Kompetenz und Flexibilität trainieren“. Eine Motivation, die Esther Lemke, DRK Koordinatorin des Rotkreuzjahres, vertraut ist: „Wir erleben oft, dass sich junge Menschen nachhaltig für die Arbeit in sozialen Berufsfeldern begeistern, die sie im Rahmen des Freiwilligendienstes kennengelernt haben“. Weitere Informationen und ein Online-Bewerbungsformular unter www.rotkreuzjahr.de.

Christina-Carolin Rempe

24. August 2017 14:15 Uhr. Alter: 332 Tage