Neue Wohngruppen für Menschen mit Demenz
Sie sind hier: Aktuelles / News » Neue Wohngruppen für Menschen mit Demenz

Neue Wohngruppen für Menschen mit Demenz

Zusammenleben wie in einer Großfamilie für bis zu acht Bewohner

Im Sinnesgarten: DRK Geschäftsführer Michael Beimdiek (von links), Wohngruppenkoordinatorin Tanja Probst und Investor Heiko Hädrich zeigen Hochbeete, die mit duftenden Kräutern und Blumen zum Gärtnern einladen sollen.

Es kann mit Gegenständen beginnen, die verschwinden und an den unmöglichsten Orten wieder auftauchen: Wie die Brille, die im Kühlschrank liegt. Oder Großmutter will mitten in der Nacht plötzlich einkaufen. Demenz zeigt sich in vielen Facetten und stellt Betroffene, aber auch Angehörige vor ein Problem: Was tun, wenn der Partner, die Eltern oder Großeltern nicht mehr allein leben können?

Hilfe bietet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit zwei Wohngruppen (WG) für demenzkranke Menschen im Orchideenquartier. Noch sind die Räume unbewohnt. Doch das Interesse an den WGs, die zum 15. März bezugsfertig sein werden, ist bereits groß. Viele Menschen nutzten jetzt den Tag der offenen Tür, um sich über das DRK Wohnprojekt in der Orchideenstraße 17 zu informieren.

Bis zu neun an Demenz erkrankte Menschen wohnen wie in einer Familie in der insgesamt 500 Quadratmeter großen WG zusammen. Die barrierefreien Appartements sind rund 20 Quadratmeter groß und verfügen über ein eigenes Bad. Sie teilen sich auf zwei weitläufige, lichtdurchflutete Wohnflure auf, deren Mitte der Gemeinschaftraum mit großer Wohnküche bildet. „Das ist das Herzstück unserer WG“, erläutert Angelika Holstein. Die Pflegedienstleiterin übernimmt dort in wenigen Wochen die Organisation der häuslichen Pflege. Betreuungs- und Pflegekräfte des DRK begleiten die Demenzerkrankten rund um die Uhr in ihrem Alltag. Etwa beim Kochen, Einkaufen, bei der Körperpflege und der medizinischen Versorgung. „Wir fördern so weit wie möglich die Selbständigkeit der Bewohner bei alltäglichen Verrichtungen, um ihre Kompetenzen zu erhalten“, sagt Holstein.

 

DRK Geschäftsführer Michael Beimdiek will dazu rund acht Vollzeitstellen schaffen, die sich 10 bis 15 Personen teilen. Die Anzahl der Mitarbeiter, die das DRK teilweise noch sucht, werde dabei dem Bedarf in der wachsenden WG angepasst. „Wenn die Pflege von den Angehörigen nicht mehr zu leisten ist, entsteht der Wunsch nach einer alternativen Betreuungsform oft sehr plötzlich.“, sagt Beimdiek. Interessenten rät er, sich das WG-Leben einmal anzuschauen. „Gut informiert fällt es allen Beteiligten leichter, die Entscheidung zu treffen“.

Mit gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Singen oder Spielerunden will das DRK das tägliche Miteinander fördern. Oberstes Prinzip dabei ist: „Jeder kann und darf, aber keiner muss.“ Die Erfahrung zeige: Die Gemeinschaft tut gut und hält insgesamt länger fit. Angehörige sind gern gesehene Besucher in der Wohngruppe. „Da wir die Pflege- und Betreuungsaufgaben übernehmen, haben Familienmitglieder mehr Zeit für persönliche Zuwendung und gemeinsame Aktivitäten“, weiß Holstein. Auch ein Gästezimmer stehe zur Verfügung.

Jeder Mieter möbliert sein Appartement selbst. Gerade für Demenzerkrankte sei es wichtig, dass sie von Dingen umgeben sind, die sie wiedererkennen können, erläutert Tanja Probst, Wohngruppenkoordinatorin beim DRK. „Aber auch in den Gemeinschafträumen ist Platz für persönliche Gegenstände, an denen viele Erinnerungen hängen“. Das trage zum Wohlbefinden der Bewohner bei. Im sogenannten „Sinnesgarten“, der in den nächsten Wochen entsteht, regen duftende Kräuter Sinneswahrnehmungen wie Hören, Riechen oder Schmecken an.

Weitere Informationen unter Telefon (05 21) 32 98 98 104 oder E-Mail tanja.probst@drk-sozial.de.

Weitere Informationen

Tanja Probst, Telefon (05 21) 32 98 98 104

17. Februar 2017 11:03 Uhr. Alter: 340 Tage