Leben wie in einer Großfamilie
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Leben wie in einer Großfamilie

Erste Bewohner sind in die DRK Demenz-WG an der Elverdisser Straße eingezogen

Im ehemaligen Sonnenhof finden zwölf Bewohner ein neues Zuhause.

Jedes Jahr erhalten deutschlandweit rund 300.000 Menschen die Diagnose Demenz. Die Tendenz nimmt rasant zu. Nur wenige wollen ins Heim, aber Angehörige sind mit einer Betreuung zu Hause oft überfordert. Als neue Wohnform haben Demenz-Wohngemeinschaften (WG) Zulauf. Mittlerweile hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) seine dritte WG im Kreis Herford auf dem ehemaligen Sonnenhof-Gelände an der Elverdisser Straße eröffnet.

Drei Bewohnerinnen leben inzwischen dort. Sie alle leiden unter Demenz, einer noch unheilbaren Krankheit, die nach und nach das Gedächtnis erlöschen lässt. Keine von ihnen kommt noch alleine zurecht. Das Heim war kein Thema, eine Pflege zu Hause nicht möglich. „Hier geht es uns gut“, sagt Rosa-Marie Begemann, die mit ihren 61 Jahren noch recht aktiv und fit ist. „Das Interesse an Demenz-WGs wächst“, weiß DRK Teamleiter Jan Klitzing. „Das Konzept bietet die Chance, dass Demenzkranke länger ein selbstbestimmtes Leben führen können. Angehörige werden entlastet, können sich aber am WG-Leben beteiligen“.

Für die Bewohnerinnen ist die WG schon zu einer vertrauten Umgebung geworden. „Die Gruppe ist überschaubar, es sind stets die gleichen Pflegekräfte vor Ort, die Atmosphäre ist familiär“, erzählt Klitzing. Neben einer Betreuung rund um die Uhr werde in der WG gleichermaßen Gesellschaft wie Privatsphäre gewährleistet. Die Aktivitäten, die den Tagesablauf bestimmen, hängen von den Fähigkeiten der Bewohner ab. Einige übernehmen gerne kleine Gartenarbeiten im Außenbereich. „Alle freuen sich, wenn es einen selbst gezogenen Salat aus dem Garten zum Mittagessen gibt, am liebsten mit Pizza, die allen besonders gut schmeckt“.

Die Bewohner entscheiden selbst über den Ablauf ihres Alltags, wann sie aufstehen oder frühstücken oder ob sie sich an der Hausarbeit beteiligen möchten. Wenn also die 84-jährige Levka Zender am Morgen lieber ein kleines Sonnenbad genießt, darf sie sich anschließend auf ein leckeres Frühstück freuen.

„Das Zusammenleben in der WG gestaltet sich wie in einer Großfamilie“, berichtet Pflegedienstleiterin Caprice Schulz. Jedes WG-Mitglied bewohnt ein Zimmer mit Bad und eigenen Möbeln. „Aber auch in den Gemeinschafträumen ist Platz für persönliche Gegenstände, an denen viele Erinnerungen hängen“. Die große Wohnküche lädt zum gemütlichen Beisammensein und zu gemeinsamen Aktivitäten ein, etwa zur morgendlichen Zeitungsrunde, zum gemeinsamen Singen von Volksliedern aus der Kinderzeit, zum Mandala-Malen oder zur Sitzgymnastik.

„Für uns ist es wichtig, feste Strukturen in den Tag zu bringen“, verdeutlicht Violetta Jaskulski, stellvertretende DRK-Pflegedienstleiterin. Regelmäßige Mahlzeiten, wiederkehrende Rituale und gemeinsame Hausarbeit gehören dazu. „Ob Kuchen backen oder Staub wischen: Wir ermuntern die Bewohner dazu, sich aktiv einzubringen“. Oberstes Prinzip dabei ist: „Jeder kann und darf, aber keiner muss.“ Die Erfahrung zeige: Die Gemeinschaft tut gut und hält insgesamt länger fit. Angehörige sind gern gesehene Besucher in der Wohngruppe. „Da wir die Pflege- und Betreuungsaufgaben übernehmen, haben Familienmitglieder mehr Zeit für persönliche Zuwendung und gemeinsame Aktivitäten“, weiß Jaskulski.

Noch stehen einige Appartements in den Wohngruppen leer. Drei Bewohnerinnen sind schon eingezogen, ein Platz sei reserviert, so Schulz. „Alle sind gespannt, wie sich das Zusammenleben der Bewohner entwickelt“, verrät Schulz. Das ist je nach Zusammensetzung der Bewohner immer anders. „So gesehen sind wir eine Wohngemeinschaft wie jede andere auch.“ Interessenten können sich bei Caprice Schulz unter Telefon 05221 – 27 50 120 informieren.

Weitere Informationen

Caprice Schulz, Telefon 05221 – 27 50 120

10. August 2018 11:10 Uhr. Alter: 98 Tage