Ein Zuhause für Menschen mit Demenz
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Ein Zuhause für Menschen mit Demenz

Erste Bewohner ziehen in DRK Demenz-WG ein

Birgit Pinkvoß (stehend) deckt bei gutem Wetter den Kaffeetisch für Günther Meyer (v. l.), Helmut Grannemann, Gerda Sasse, Hanna Rosenkranz und Barbara Juckwer gerne im Freien.

Die Veränderung kommt langsam: Ein paar Versprecher mehr als sonst. Der vergessene Kochtopf auf dem Herd. Die Uhr liegt im Kühlschrank. Alles völlig harmlos - oder aber Beginn eines langsamen Leidens: Jedes Jahr erhalten 1.200 Menschen im Kreis Minden-Lübbecke die Diagnose Demenz – Tendenz steigend. Wenn das Wohnen zu Hause für Betroffene zum Risiko wird, bieten spezielle Wohngruppen (WG) eine Betreuung rund um die Uhr. Vor wenigen Wochen sind die ersten Bewohner in die erste von zwei Demenz-WGs des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) eingezogen.

„Mir gefällt unsere Freiheit hier am besten“, sagt Hanna Rosenkranz. Die 91-Jährige sitzt gemeinsam mit ihren Mitbewohnern auf der Terrasse der WG am Eiserbach 6. Das ist mitten im Ort und doch blicken die Senioren ins Grüne. Große Sonnenschirme beschatten den Garten, wo Bänke zum Verweilen einladen. In den Beeten wachsen nicht nur Blumen und Büsche, sondern auch allerlei duftende Kräuter, die die Bewohner zum Teil selbst gepflanzt haben. An diesem sonnigen Nachmittag ist der Kaffeetisch im Garten gedeckt. Ein Enkel ist zu Besuch und komplettiert die entspannte Kaffeerunde.

"Unsere Bewohner können ein selbstbestimmtes Leben in Gemeinschaft mit ihren Mitbewohnern führen", sagt DRK Pflegedienstleiterin Inka Starke. "Sie selbst entscheiden über den Ablauf ihres Alltags, beispielsweise wann sie aufstehen oder frühstücken möchten". Begleitet werden sie dabei durch erfahren Pflege- und Betreuungskräfte. Das Zusammenleben in der WG gestaltet sich in einer Großfamilie. Die große Wohnküche lädt zum gemütlichen Beisammensein und zu gemeinsamen Aktivitäten ein, etwa Zeitungslesen, Singen oder Basteln. "Für uns ist es wichtig, feste Strukturen in den Tag zu bringen", verdeutlicht Teamleiterin Birgit Pinkvoß. Regelmäßige Mahlzeiten, wiederkehrende Rituale und gemeinsame Hausarbeit gehören dazu. 

"Wir ermuntern die Bewohner dazu, sich aktiv einzubringen. Die Damen helfen gerne beim Kochen. Frau Rosenkranz ist zudem begeisterte Hobbygärtnerin und hilft daher immer, wenn es im Garten etwas zu tun gibt", sagt Pinkvoß. Oberstes Prinzip dabei ist: "Jeder kann und darf, aber keiner muss." Die Erfahrung zeige: Die Gemeinschaft tut gut und hält gut und hält insgesamt länger fit. Angehörige sind gern gesehene Besucher in der Wohngruppe.

Viele bewege die Frage, wann der richtige Zeitpunkt für einen Umzug ihrer Lieben in eine WG sei. "Die Menschen, die zu uns kommen, brauchen eine 24-Stunden-Betreuung", weiß Kerstin Bergner, Fachbereichsleiterin Pflege beim DRK. Durch die Demenz gingen nach und nach Alltagskompetenzen verloren – wie den Tisch zu decken oder Kaffee zu kochen. Zudem litten viele Demenzkranke unter Ängsten. Deshalb seien eine vertraute Umgebung und verlässliche Ansprechpartner für sie so wichtig. „Beides kann die Demenz-WG bieten“. Interessenten rät sie, sich das WG-Leben einmal anzuschauen. „Gut informiert fällt es allen Beteiligten leichter, die Entscheidung zu treffen“.

Die acht barrierefreien Apartments mit eigenem Bad sind private Rückzugsräume. Jeder WG-Bewohner kann sich das Zimmer mit eigenen Möbeln so gestalten, wie er möchte. Noch stehen einige Zimmer in den Wohngruppen leer. Fünf Bewohner sind schon eingezogen, weitere vier Plätze seien reserviert, so Starke. „Alle sind gespannt, wie sich das Zusammenleben der Bewohner entwickelt“, verrät die Pflegedienstleiterin. Das ist je nach Zusammensetzung der Bewohner immer anders. „So gesehen sind wir eine Wohngemeinschaft wie jede andere auch.“ Interessenten können sich bei Inka Starke unter Telefon 0571 - 97 20 40 00 informieren.

6. Juni 2018 09:03 Uhr. Alter: 322 Tage