Das Leben mit einem Kind vom anderen Stern
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Das Leben mit einem Kind vom anderen Stern

Als Paul vor zwölf Jahren auf die Welt kommt, ahnt niemand, dass dieser Junge anders ist als die meisten anderen Kinder.

Gastgeber: Oliver Soddemann (Vorstand gewohnt e.V., von links), Siegmar Schröder (Theaterlabor), Heike Berkemann (DRK) und Oliver Klingelberg (BGW)

Bis die Leiterin seiner Krabbelgruppe die Eltern zum Gespräch bittet, an dem auch eine Mitarbeiterin des Jugendamtes teilnimmt. Paul, so erfahren seine Eltern, sitze oft lange apathisch in einer Ecke und er wehre sich schreiend beim Windeln. Das Thema häusliche Gewalt und Missbrauch, so beweist die Präsenz des Jugendamtes, steht im Raum. Nach einigen ärztlichen Untersuchungen, die die Eltern veranlassen, steht recht bald die Diagnose fest: Paul leidet unter frühkindlichem Autismus.

„Wir wussten sehr wenig über Autismus. Und als Paul nicht zu sprechen begann, vermuteten wir zunächst, er sei ein late talker. Einstein hat ja auch erst mit fünf Jahren angefangen zu sprechen“, erinnert sich Siegmar Schröder. Er ist Gründer und Leiter des Theaterlabors Bielefeld – und Pauls Vater. In seiner Performance „Paul“, mit der Schröder im Wohncafé des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Bielefelder Modell an der Salzufler Straße in Heepen zu Gast war, beschreibt er sehr persönlich das Leben mit einem Kind vom anderen Stern.

Ein Ort, den die BGW Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen als Veranstalterin nicht zufällig ausgewählt hat. Denn nur wenige Meter vom Bielefelder Modell entfernt hat die BGW für den Verein gewohnt e.V., in dem sich Eltern autistischer Kinder zusammengeschlossen haben, ein Mehrfamilienhaus zu sieben Wohnungen umgebaut, in denen seit Herbst sieben junge Erwachsene mit Autismus leben. „Mit der Performance möchten wir in der Nachbarschaft ein wenig Aufmerksamkeit für dieses bundesweite Pilotprojekt erzeugen“, betonte Oliver Klingelberg, bei der BGW zuständig für das Sozialmanagement, bei der Begrüßung der Zuschauer.
 
Doch anders als die jungen Menschen, die sich im geschützten Raum ihrer eigenen Wohnung wohl fühlen, sich aber auch in einem Gemeinschaftsraum treffen können, wird Paul nie allein leben können. „Paul wird sein ganzes Leben lang Begleitung brauchen“, weiß Siegmar Schröder, in dessen Performance sich Perspektiven und dramaturgische Elemente mischen. In Videosequenzen und dokumentarischen Texten, mal dramatisch, aber bisweilen auch komisch schildert Schröder eine ganz besondere Vater-Sohn-Beziehung. Bis heute lebt Paul in seiner eigenen Welt.

Statt eines Eintrittsgeldes wurden am Abend Spenden zu Gunsten des Wohnprojektes für junge Menschen mit Autismus in Heepen gesammelt. Wer darüber hinaus dieses Projekt mit einer Spende unterstützen möchte, findet alle Informationen unter www.gewohnt.org.

Text: Oliver Klingelberg, BGW

30. November 2018 09:14 Uhr. Alter: 78 Tage