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Leitbild

Leitbild des Deutschen Roten Kreuzes Soziale Dienste OWL


Das Rote Kreuz in Bielefeld hat sich als Maxime für sein Handeln das folgende Leitbild gegeben, das gemeinsame Überzeugungen, Ziele und Verhaltensweisen zusammenfaßt. Dieses Leitbild fußt auf der 1965 in Kraft getretenen “Charta des Roten Kreuzes” und soll innerhalb des Roten Kreuzes als Richtschnur für tägliches Handeln dienen. Es ist unser selbstgegebener Bewertungsmaßstab, an dem wir unsere Arbeit messen lassen.

 

Die Grundsätze des Deutschen Roten Kreuzes in Bielefeld
Menschlichkeit - Wir dienen Menschen. Aber keinem System.


Menschlichkeit ist der oberste Grundsatz der Organisation des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds. Unser Auftrag ist es, das Leben und die Gesundheit von Menschen zu schützen, menschliches Leiden unter allen Umständen zu verhindern oder zumindest zu lindern. Dies geschieht im Sozialen Dienste Bielefeld zum einen durch ein komplexes integriertes Hilfeleistungssystem für Notfälle, zum anderen durch die ambulanten Dienste und die breit gefächerte soziale Arbeit. Dabei setzen wir die verfügbaren Mittel allein nach dem Maß der Not und der Dringlichkeit der Hilfe ein. Unsere Hilfeleistung soll die Selbsthilfekräfte der Betroffenen stärken.

 

Unparteilichkeit - Wir versorgen das Opfer. Aber genauso den Täter.


Jeder Mensch kann sich uneingeschränkt und voller Vertrauen an das Rote Kreuz wenden. Wir helfen den Menschen einzig nach dem Maß ihrer Not und fragen nicht nach der Schuld. Wir leisten Hilfe, ohne einen Unterschied zwischen Nationalität; Rasse, Religion, Geschlecht, sozialer Stellung und politischer Zugehörigkeit zu machen.

 

Neutralität - Wir ergreifen die Initiative. Aber niemals Partei.


Das Rote Kreuz steht als Symbol der Menschlichkeit und Hilfe über allen Parteien. Wir sehen uns ausschließlich als Helfer und Anwälte der Betroffenen, aber enthalten uns jederzeit der politischen, rassischen oder religiösen Parteinahme. Wir sind allerdings nicht bereit, Unmenschlichkeit hinzunehmen und erheben deshalb, wo geboten, unsere Stimme gegen die Ursachen.

 

Unabhängigkeit - Wir gehorchen der Not. Aber nicht dem König.


Zur Erfüllung unserer Aufgaben kooperieren wir mit allen Institutionen und Organisationen aus Staat und Gesellschaft , die uns in Erfüllung unserer Ziele und Aufgaben behilflich sein können und/oder vergleichbare Zielsetzungen haben. Daher arbeiten wir in Bielefeld eng mit den Wohlfahrtsverbänden, den Hilfsorganisationen sowie mit anderen Verbänden und der Stadt Bielefeld zusammen. Wir bewahren dabei unsere Eigenständigkeit und stellen die menschlichen Grundsätze der Organisation über die Zwänge jeglicher Macht. Hierzu stellen wir uns dem Wettbewerb mit anderen, um die Qualität unserer Hilfeleistungen, aber auch ihre Wirtschaftlichkeit, ständig zu verbessern.

 

Freiwilligkeit - Menschen im Roten Kreuz


Neben der Möglichkeit, unsere Arbeit finanziell zu unterstützen, bieten wir die Gelegenheit, sich freiwillig und materiell uneigennützig für andere Menschen aktiv einzusetzen. Unseren Auftrag können wir nur erfüllen, wenn wir Menschen für unsere Aufgabe gewinnen. Von ihnen wird unsere Arbeit getragen, nämlich von engagierten, fachlich und menschlich qualifizierten, ehrenamtlichen sowie von gleichermaßen geeigneten hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Gleichwertigkeit und gegenseitiges Vertrauen kennzeichnen die gemeinsame Arbeit.

 

Einheit - Wir haben viele Talente. Aber nur eine Idee.


In jedem Land gibt es nur eine einzige Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft. Sie steht allen offen, die im Sinne Henry Dunants ihren Beitrag für mehr Menschlichkeit leisten wollen, jeder an dem Platz, den er am besten ausfüllt. Durch die föderalistische Struktur unseres Verbandes können Hilfeleistungen den Erfordernissen vor Ort angepaßt werden. Die Bündelung unserer Erfahrungen und die gemeinsame Nutzung unserer personellen und materiellen Mittel sichern unsere Leistungsstärke.

 

Universalität - Wir achten Nationen. Aber keine Grenzen.


Wir als Deutsches Rotes Kreuz in Bielefeld sind Teil der weltumfassenden internationalen Organisation des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes, in der alle Gesellschaften gleiche Rechte haben und sich verpflichten, einander zu helfen. In diesem Sinne geben die Mitglieder einen Teil ihrer Beiträge über die Ortsvereine, den Sozialen Dienste, den Landesverband und das Generalsekretariat an das Internationale Rote Kreuz weiter, um Hilfeleistungen in Krisen-, Kriegs- und Katastrophengebiete zu ermöglichen. Darüber hinaus prägt der internationale Charakter des Roten Kreuzes in weiten Teilen die Arbeit des Sozialen Dienste. Ein Beispiel ist die Kinder- und Jugendarbeit: In den Kindertagesstätten stammen nicht nur die Kinder aus vielen Nationen, sondern auch bei der Auswahl des Personals wird bewußt auf Internationalität Wert gelegt. Die darum selbstverständlich gelebte Gleichwertigkeit der verschiedenen Kulturen fördert gegenseitiges Verständnis, Freundschaft, Zusammenarbeit und dauerhaften Frieden unter den Völkern. Dies ist das Ziel unserer pädagogischen Arbeit.

 

Henry Dunant


Zweifellos eine der interessantesten Biographien in der Geschichte des Roten Kreuzes ist die seines Gründers, Henry Dunant. Ausgangsort dieser Biographie ist Genf, wo Dunant am 8. Mai 1828 geboren wurde. Schon früh trat der junge Dunant, gestützt auf seine tiefe religiöse Überzeugung, engagiert für die Menschheit ein. Ersten Ausdruck fand dieses Engagement in seinem Beitritt zur Genfer Gesellschaft für Almosenspenden. Doch Dunant wollte mehr: Mit der Gründung des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) im Jahre 1855 erfüllte er sich den Traum von einer weltumspannenden “geistlichen Familie”.

Das Schlüsselerlebnis seines Lebens wiederfuhr Dunant 1859 auf einer Geschäftsreise nach Solferino in Oberitalien. Eher zufällig wurde er Zeuge einer der blutigsten Schlachten der Geschichte. Eine Schlacht mit über 40 000 Verwundeten und Toten.

Schockiert vom Elend der Opfer und der Hilflosigkeit der Sanitätskräfte reifte in ihm von nun an der Gedanke an eine internationale Hilfsorganisation. Schon bald verwirklichte er seine Pläne: Sein Erlebnisbericht “Eine Erinnerung an Solferino” half ihm, daß auch Staatsoberhäupter auf seine Idee aufmerksam wurden.

So konnte 1863 in Genf das Internationale Komitee vom Roten Kreuz gegründet werden. Nur ein Jahr später wurde die erste Genfer Konvention erlassen. Doch lange konnte Henry Dunant die Früchte seiner Arbeit nicht genießen. Nach einer Verurteilung wegen betrügerischem Konkurses und dem Tod seiner Mutter führte er viele Jahre ein Leben als Heimatloser. Dennoch kamen seine Aktivitäten nicht zum Erliegen. Seine “Wiederentdeckung” im Jahre 1895 brachte ihm den verdienten Ruhm, der 1901 in der Verleihung des ersten Friedensnobelpreises gipfelte. Henry Dunant starb am 30. Oktober 1910.